Auf dem Hochseil zwischen Können und Kreativität

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Witzigmann, Dirigent in der Küche
Der Jahrhundertkoch Prof. Dr. h.c. Eckart Witzigmann bezeichnete sich selbst einmal als „gastronomischen Chefregisseur“ mit Liebe und Affinität zur Schaubude. Seit 2001 bringt er dem großen Publikum, im Umfeld von Zirkus und Artistik, Brot und Spiele. Hunderttausende sahen bisher die Dinner-Shows "Witzigmann & Roncalli Bajazzo" in München, Köln, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Dabei lässt der Meister seine Gäste zwischen Gaumenkitzel, rasanter Artistik, Magie, Musik und Comedy träumen, lachen und genießen. (ed)
Der Weg des Starkochs vom exklusiven Ambiente eines Drei-Sterne-Restaurants zum Zeltgastronomen war weit. Eckart Witzigmann wurde 1941 in Bad Gastein geboren. Gegen den Willen seines Vaters, der seinen Sohn kadettenhaft streng erzog, begann er eine Lehre als Koch im Grandhotel Straubinger Hof. Der ehrgeizige Jungkoch sammelte Erfahrungen in Bonn, in Villars bei Lausanne, in Davos und in Bad Ragaz. Er überstand autoritäre Küchenchefs, wechselte immer wieder Ambiente und Küchen und sammelte Rezepte. 

Nach einer intensiven Zeit bei Maestro Paul Haeberlein im elsässischen Illhäusern avancierte Witzigmann 1971 im Münchner Restaurant "Tantris" zum Küchenchef. Die Münchner Schickeria war reif für Witzigmann und Witzigmann für München. Er eröffnete im Jahr 1978 sein eigenes Restaurant, die „Aubergine“. Rasch avanciert das Lokal zum Treffpunkt der Gourmets und der feinen Gesellschaft.

Hamlet, der Perfektionist

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Die Münchner Schickeria hatte damals Geld, aber nicht unbedingt den feinen Geschmack, den es braucht, um Basilikum von Spinat oder die Wachtel vom Froschschenkel zu unterscheiden. Die Schickeria verlangte Pfeffersteakes mit Pommes, man hielt sich an Bekanntes. Darunter litt der Drei-Sterne-Koch, der Perfektionist, der Entdecker, der geniale Kochkünstler. Rummel, Auszeichnungen und Sterne setzten dem Starkoch zu. Betupft und verschnupft begann er zu schnupfen. Witzigmann bestand auf seinem „Recht auf Rausch“, wie die Autorin Eva Gesine Baur in der Biografie „Hamlet am Herd“ schreibt. Die Behörden hatten an Witzigmanns Schnupferei keine Freude. Die Affäre kostete dem Starkoch 1993 die Restaurant-Konzession. Längst hat sich Witzigmann vom Tiefschlag erholt.

Eckart Witzigmann ruht sich im Küchen-Olymp nicht aus. Seit Februar 2007 ist er Professor an der schwedischen Universität Örebro, der einzigen staatlichen Gastronomie-Universität Europas. An der Restaurant-Akademie in Grythyttan führt Witzigmann den Titel "Professeurde la Cuisine". Daneben wirkt Witzigmann auch als Kolumnist und Gastautor für Zeitschriften, und er tritt in TV-Kochshows als Moderator oder als Gastkoch auf.

Der Geschmack der dampfenden Suppe in die Gegenwart bringen

Eckart Witzigmann veröffentlichte mehr als zwei Dutzend Kochbücher, unter anderem gemeinsam mit Alfred Biolek „Unser Kochbuch – Alternativen zu Fisch und Fleisch“. Dafür wurden die beiden Autoren im Frühjahr 2002 mit dem Deutschen Bücherpreis in der Sparte Ratgeber ausgezeichnet wurden. Der Bestseller wurde über 300 000 Mal verkauft. Erfolgreich ist auch „Witzigmann’s Familienkochbuch“. Darin soll der Geschmack der dampfenden Suppe aus der Kindheit, der Festtagsbraten und der duftende Gugelhupf zurück in die Gegenwart gebracht werden. „Witzigmann’s Familienkochbuch“ eignet sich für die traditionelle Familie und für das Patchwork. „Ganz egal, ob eine allein erziehende Mutter mit ihrem Kind einen Risotto kocht, der Großvater mit seinem Enkel Plätzchen backt oder der Vater die Freunde seines Kindes zum Tortilla-Essen einlädt, immer steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund", schreibt Eckart Witzigmann.
„Ganz egal, ob eine allein erziehende Mutter mit ihrem Kind einen Risotto kocht, der Großvater mit seinem Enkel Plätzchen backt oder der Vater die Freunde seines Kindes zum Tortilla-Essen einlädt, immer steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund"

Eckart Witzigmann

Witzigmann hat seinen Preis

Mit dem Internationalen Eckart Witzigmann-Preis werden jährlich Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich auf nationaler und internationaler Ebene um die Kultur des Essens und um die Kochkunst verdient gemacht haben. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben mit einem Wert von jeweils 10.000 Euro. Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann bürgt für hervorragendes Handwerk, für Kreativität und für die konsequente Bindung an die humanen Grundlagen der Gastronomie. Eckart Witzigmann sieht in der Kochkunst eine kulturelle Kompetenz, die er auch als Lehrer und als Kulturstifter weiter gibt.