Der Wein, in dem sich die Sonne Andalusiens spiegelt

Der Sherry, einer der ältesten Weine der Welt, ist ein echter Spanier. Im sonnigen Andalusien, in der Provinz Cádiz, dreht sich alles um dieses Multitalent des Genusses. Rund 2.800 Traubenproduzenten bauen im Sherry-Dreieck an der Costa de la Luz, der Küste des Lichts, auf rund 10.000 ha die Trauben für die Sherryproduktion an. Etwa 60 Bodegas stellen in dieser Region eine unglaubliche Vielzahl verschiedener Sherrytypen her. Nur was von hier kommt, darf den Namen „Sherry“ tragen. 300 Sonnentage im Jahr verwöhnen die Trauben, es gibt kaum Niederschläge. Die Kombination von Poniente, dem leichten, kalten Wind vom Atlantik, und Levante, dem milden und wärmeren Gegenspieler vom Mittelmeer, schaffen beste Voraussetzungen für den Wein.

Das Sherry-Dreieck

Die geschützte Ursprungsbezeichnung für den Sherry aus dem traditionellen Anbaugebiet lautet „Jerez-Xérès-Sherry“. Das Hauptanbaugebiet (8.300 ha = 80 %) wird durch die drei Städte Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda begrenzt. Die eigentliche Wiege dieses Weines liegt in Jerez de la Frontera. Die arabische Bezeichnung „Sherish“ erinnert an die maurische Geschichte.

Besonderes Klima für einen besonderen Wein

Die klimatischen Bedingungen dieser Region prägen den unverwechselbaren Charakter des Sherrys: Die Nähe zum Atlantik beeinflusst sein Aroma. Die meist aus Westen wehende Brise des Poniente versorgt die Rebstöcke mit der nötigen Meeresfeuchtigkeit und mildert die klimatischen Extreme. Selbst im 15 Kilometer vom Meer entfernten Jerez ist die Wirkung des Poniente noch zu spüren: Die Luftfeuchtigkeit kann dort auf über 90 Prozent ansteigen. Besonders bedeutsam ist der leichte Atlantikwind in Sanlúcar de Barrameda und in El Puerto de Santa María, denn hier können die Sommertemperaturen im Vergleich zu Jerez de la Frontera rund 10°C niedriger ausfallen. Gleichzeitig sind im Hochsommer die Reben oftmals frühmorgens mit Tau bedeckt, der die Trauben mit Flüssigkeit versorgt.

Albariza – der weiße Boden

Eigentlich müsste sich die anhaltende Trockenheit der Region problematisch auf die Reben auswirken. Nicht so im Sherry-Dreieck: Das Geheimnis liegt in den leuchtend weißen Kalkböden, den sogenannten „Albarizas“ (von lat. Alba: weiß). Sie können große Mengen an Wasser speichern. Darum verwundert es nicht, dass die Albarizas mittlerweile 80 Prozent der Anbauflächen ausmachen. Der Boden saugt das Wasser auf wie ein Schwamm und verschließt sich während der Trockenheit an der Oberfläche. Bei Bedarf können die Reben über Ihre Wurzeln das gespeicherte Wasser aus dem Boden aufnehmen und so die Reben auch in Trockenperioden mit ausreichend Flüssigkeit und Nährstoffen versorgen.

Solera-Verfahren

Traditionell werden beim Solera-Verfahren mehrere Reihen von Fässern übereinander gestapelt. Die Reihe, die am Boden liegt nennt man Solera. Der Sherry, der in den Verkauf kommt, wird dieser unteren Reihe entnommen, allerdings nur bis zu einem Drittel des Fassinhalts. Die Menge, die entnommen wurde, wird mit jüngerem Wein aus den weiter oben liegenden Fässern aufgefüllt. Die Schwächen eines Jahrgangs werden so nivelliert und eine gleich bleibende Qualität garantiert.