Alexander Hildebrandt

Welche Stationen waren in ihrer beruflichen Laufbahn besonders wichtig?

1998 sammelte ich erste Erfahrungen im Steigenberger Esplanade als Aushilfe im Servicebereich und merkte sofort wie viel Freude es mir bereitet mich in persönlicher Form um andere Menschen zu kümmern.

2000 Während meiner Ableistung des Wehrdienstes war ich auch als Ordonanz für das Offiziersheim abgestellt und hatte so erstmals die Möglichkeit alleinige Gehversuche hinter den Bartrésen zu absolvieren.

2002 begann ich in Jena, neben meiner Ausbildung zum Automobilkaufmann, in verschiedenen Cocktailbars und auf vielfältigen Gastronomieveranstaltungen als Barkeeper zu jobben. Alle Bars, in denen ich arbeitete, waren auf Cocktails spezialisiert - was natürlich mein Interesse an Spirituosen sowie Cocktails maßgeblich voran trieb und mich hierdurch nach und nach, immer mehr meine Leidenschaft entdecken ließ.

2004 Die Bar/Lounge Drogerie, welche leider seit Januar 2010 nicht mehr existiert, und das Gastronomieunternehmen J.kinsky erteilten mir die Chance 3-4 mal in der Woche hinter ihrer Bar stehen zu dürfen und mich peu a peu weiter zu entwickeln. Da Jena nur 100.000 Einwohner besitzt, begegnet man sich sehr schnell wieder und so begab es sich oftmals, dass Kunden des Autohauses, denen ich am Tag noch einen schicken Wagen verschafft hatte, plötzlich am Abend als meine Gäste an der Bar erschienen. So erlebte (traf) ich dann mein Schlüsselerlebnis, welches mich geradezu ins Gastgewerbe hinein stieß (hinein schubste): Wieder einmal hatte ich zwei Autos verkauft und natürlich die Kunden dazu angeregt sich doch zur Feier des Tages einen feinen Tropfen zu gönnen und diesen sich am besten gleich noch von mir persönlich am Abend kredenzen zu lassen. Beide nahmen meinen Rat äußerst gerne an und genossen nicht nur ein Paar der leckeren Drinks, die ich ihnen zum Besten ershakte. An diesem, für beide, besonderen Abend offenbarte sich mir die meinige Welt. Schon während des Arbeitens selbst, vor allem aber danach, als ich mir dann endlich die Zeit nehmen konnte, die vergangenen 24 Stunden revue passieren zu lassen (viel dann der Hammer ganz fest (hart)), erkannte ich das Fallen des Hammers und meine persönliche Passion (Berufung). Beide Gäste schwärmten am Ende des Abends nicht mehr von ihrem neuen Auto, sondern von ihren fantastischen letzten Stunden. Stunden voller wunderbarer Unterhaltung, gaumenfreudigen Getränken und einer herzlichst erfrischenden Gastlichkeit, die sie vorher an einer Bar noch nie so erlebt hatten.
Am nächsten Tag hätte ich gerne sofort meine Lehre abgebrochen, um hinein zu springen in ein Leben hinter der Bar. Da ich jedoch kurz vor Beendigung meiner Lehre stand, ließ ich Vernunft walten, versuchte allerdings ab jetzt, möglichst 5-6 mal pro Woche abends hintern Tresen in Bewegung zu sein.

2005 siedelte ich nach Nürnberg über und mit viel Hilfe sowie tatkräftiger Unterstützung meiner Lebensgefährtin gründete ich meine erste eigene Firma baranova event. Zunächst spezialisierte ich mich, als quasi Einmannunternehmen, auf mobile Cocktails, d.h. Genuss hochwertiger und speziell kreierter Cocktails (Drinks) auf Messen, Firmenfeiern, Hochzeiten,… sowie auch ganz persönlich privaten Arrangements, zum Beispiel ein Candlelightdinner im Grünen. Als Hauptziel strebte ich an, mich von den allseits weit verbreiteten und in der Regel viel zu sterilen und duchstandartisierten (eintönigen) Eventveranstaltungen meiner Branchenkollegen weg zu bewegen (zu entfernen). Ich wollte nicht nur einen Job erledigen, sondern meinen Kunden etwas besonderes und angenehm Einprägsames präsentieren – einfach gesagt – ihnen ein herzerwärmendes Trinkerlebnis auf hohem Niveau beizubringen (anzubieten, darzubieten,….).
2006 erlangte ich den Abschluss zum IHK-Barkeeper und zum Barista.

2007 eine junge Unternehmung verlangt selbstverständlich nach Zeit und vor allem nach Raum, um sich zu entfalten, weiter zu wachsen und sich angemessen stilvoll zu präsentieren. Der Traum, an jeden neuen Tag, fröhlich und heiter, das Schloss seiner eigensten Ladentür aufzustoßen und stolz über das Erschaffene zu sein, das nun endlich in Erfüllung gegangen ist.
Ende 2007 besichtigte ich die passenden Räumlichkeiten, um das nächste Kapitel der Entwicklung baránova event aufschlagen zu können.

Am 01.01.2008 schwebten wir ein in unser Domizil und seitdem streben wir, mit Unmengen an Elan, nach unseren selbst sehr hoch anvisierten Zielen. Zunächst hatten wir geplant einen Showroom mit besonderer Atmosphäre zu erschaffen, der gleichzeitig als Repräsentationsfläche dienen sollte und zum anderen als unser kleines Veranstaltungsräumchen für erlesene Anlässe. Es erstrahlte eine Symbiose aus Stilelementen des letzten Jahrhunderts sowie modernen Einflüssen der Gegenwart – angenehm warm zu betrachten und herzlichst zum Wohlfühlen einladend.

2008 auf einer Messe in München lernte ich den Koch Friedel …. kennen. Sehr schnell bemerkten wir beide, dass man zusammen weitaus größere Dinge in Bewegung setzen könnten und so gebaren wir einen neuen Schaffensraum: keepers & cooks.

2009 in März diesen Jahres bekam ich das Angebot in der „Roten Bar“ in Nürnberg als Gastbarkeeper tätig zu sein.

2010 traten wir als Gastreferenten für die IFH (Institute for hospitality) unter dem Schwerpunkt „Verkaufsfördernde deen für das Restaurant,
Durch Restauranterlebnisse Gäste finden und binden!

Welche namhaften Barkeeper haben mich auf meinem Weg begleitet und geprägt?

Charles Schumann (Lebenslauf und Barbücher-einer der Wegbereiter der Neuzeit)
Franz Brandl (seine Cocktailbücher)
Jerry Thomas (Bartenders Guide)
Harry Craddock (Savoy Cocktailbuch)
Harry Schraemli (Das grosse Lehrbuch der Bar)
F.J. Beutel (Die modernen Getränke)
Harry Johnson (Handbuch für Bartender)
Uwe Voigt (Mentor und Lehrer)

Haben Sie einen Leitsatz der Sie begleitet?

„ALLES WAS VORTSELLBAR IST; IST MÖGLICH. ALLES WAS MÖGLICH IST; MACHEN WIR VORSTELLBAR“ Madlen Wohlleben

Tradition beherrschen und die Moderne leben, Vergangenheit Schätzen und neues erkunden. Wir legen Wert auf Kultur und die Philosophie welche sich hinter unseren Kreationen und Produkten verbirgt. Alexander Hildebrandt

Welche Schwerpunkte haben Sie? (speziell auf die Barkultur bezogen)

Im Getränkebereich experimentiere ich am liebsten mit verschiedensten Infusionen. Das kreieren eigener Spirituosen durch mazerieren (einlegen) verschiedenster Komponenten z.B. Zitronengras, Rosmarin, Basilikum, und vieles, vieles mehr sowie eigener Sirupvarianten für den Bargebrauch, z.B. hausgemachter Earl Grey Sirup, Whiskey Sirup, Basilikumsirup etc..
Das experimentieren mit verschieden Teetinkturen ist ebenfalls eine meiner großen Leidenschaften.

Einen regionalen Bezug zu schaffen ist ebenfalls eine meiner Grundphilosophien. Oftmals vergessen wir, wie viele gute einheimische Produkte selbst im Getränkesegment in Deutschland angeboten werden und letztendlich wie gut diese schmecken.

Das perfekte Cocktailarrangement auszusuchen, um diese in Verbindung mit ausgewählten Speisen in das perfekte Licht zu rücken, welches ihnen gebührt.

Welche Auszeichnungen haben Sie erhalten?

2009 1 Platz. Beim Trollinger Cocktail Contest in Stuttgart
www.trollinger2punkt0.de

Lieblingsspirituosen:
Gin, Tequila, Whiskey, Rum, Obstbrände
Gerne gehe ich auf diese Thematik weitaus genauer ein.

Motto meiner Arbeit?

Am liebsten mag ich es, wenn neue Zutaten Einzug erhalten, um erkundet, getestet, geschmacklich variiert und akzeptiert zu werden.
Ich verstehe mich selbst als eine Art abenteuerender Barkeeper, der stets seinen Gästen andere Welten darbieten möchte und ihnen das „Universum“ Cocktail von einer ganz anderen, meist unbekannten, Tiefe offenbaren möchte.
Das Maß der Dinge ist es den ursprünglichen Begriff bzw. die Definition der Bar zu verändern, denn geschichtlich leitet sich das Wort Bar von Barriere ab und die braucht man heutzutage nun wirklich nicht mehr. Im Gegenteil. Ich plädiere für eine grenzenlose Offenheit sowie Präsenz dem Gästewunsch gegenüber. Der Gast muss fühlen und sehen können, wie sein persönlicher Drink entsteht, um diesen nichts anderes als zu genießen.