Judith Beck - Weingut Beck in Gols

© Steve Haider
Bereits im Alter von 21 Jahren vinifizierte Judith Beck eigenverantwortlich ihren ersten Jahrgang auf dem elterlichen Weingut im österreichischen Gols. Das war 2001, heute leitet sie das topmoderne Weingut, welches sie derzeit auf biologischen Anbau umstellt.

Das Interview

starcookers: Was ist das besondere, was Ihren Wein auszeichnet?

Judith Beck: Ich versuche bei der Vinifikation sehr vorsichtig mit den unterschiedlichen Sorten umzugehen. Die Gärung sowie der Ausbau beim Weißwein erfolgt entweder in großen Holzfässern oder im Barrique. Dadurch sind die Weine zwar nicht so primärfruchtig, haben aber dafür ein nachhaltigeres Aroma, das sich für mehrere Jahre hält. Ich bin der Meinung, dass diese Art des Ausbaus für unsere von Natur aus eher kräftigen Weißweine optimal ist. Beim Rotwein wird temperaturgesteuert im Edelstahltank oder im Holzgärständer bzw. Bottich vergoren. Die Extraktion passiert mittels Übersprühen oder händischem Unterstoßen. Bei der alkoholischen Gärung wird auf Reinzuchthefen verzichtet. Auch der biologische Säureabbau wird spontan in Barriquefässern oder großen Holzfässern durchgeführt. Alle Rotweine reifen in Holzfässern, weil ich es wichtig finde, dass die Weine atmen können, um sich zu entfalten.

„Meine Weine sollen vielschichtig, elegant und charaktervoll sein.“

Jahrgangsunterschiede sind naturgegeben und ein spannendes Element bei der Weinbereitung. Diese Unterschiede versuche ich auch herauszuarbeiten.Der Ausbau im Holz unterstützt die Struktur eines Weines und bereichert den Geschmack. Aber die Frucht des Weines muss immer im Vordergrund stehen. Ich mag Weine, die elegant, lang, ausgewogen und strukturiert sind. Das versuche ich auch in meinen Weinen zu erreichen. Meine Weine sollen vielschichtig, elegant und charaktervoll sein. Weine, die sich im Glas entwickeln, sodass man mit jedem Schluck eine neue Dimension entdeckt und gern ein zweites Glas trinkt. Wein ist für mich Ausdruck von Persönlichkeit, stark geprägt vom Charakter des Winzers und dem Gebiet, in dem er wächst.

starcookers: Der Weinbau ist eine eher männliche Domäne – woher kommt dass? Hat man es als Frau schwerer?

Judith Beck: Schon immer haben Frauen im Weinbau gearbeitet, zwar hauptsächlich im Weingarten und weniger im Keller, aber Frauen hatten immer eine wichtige Rolle. Ich persönlich würde nicht sagen, dass man es als Frau schwerer hat. Das kommt sicher auch zum Teil daher, dass ich noch relativ jung bin und Winzerinnen vor mir schon Pionierarbeit geleistet haben.
Ich bin, unter anderem, einziges weibliches Mitglied der Winzergruppe Pannobile. In dieser Gruppe war ich von Beginn an integriert und akzeptiert, was mir sicherlich sehr geholfen hat. Zu Beginn war es aber schon so, dass von Außenstehenden oft angezweifelt wurde, dass ich, als junge Frau, für die Vinifikation verantwortlich sein könnte. Im persönlichen Gespräch lassen sich solche Zweifel aber leicht ausräumen. Zusammenfassend glaube ich, dass man es als Frau nicht schwerer hat, aber sicher auch nicht leichter.

starcookers: In den letzten Jahren hat die Klimaveränderung den Weinbau vielerorts stark beeinträchtig. Sind auch bei Ihnen die Auswirkungen spürbar?

Judith Beck: Auch wir stellen fest, dass die Niederschläge sich vom Zeitpunkt her etwas verschoben haben bzw. dass die Gewitterneigung vielleicht höher ist im Vergleich zu  früher. Auch gab es in den letzten Jahren gehäuft Jahrgänge mit sehr frühem Erntebeginn (z. T. schon Ende August).

starcookers: Wie kamen Sie zum Wein?

Judith Beck: Ich habe 1997 an der Handelsakademie in Neusiedl am See mein Abitur gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich keineswegs klar, dass es in Richtung Weinbau gehen sollte. Trotzdem wechselte ich aus Neugierde danach in die Höhere Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau nach Klosterneuburg. Nach dem Abitur gibt es dort die Möglichkeit im 3. Jahrgang einzusteigen und nur noch am Unterricht in den fachspezifischen Gegenständen teilzunehmen.  Im Oktober begann ich dann gleichzeitig Germanistik und Publizistik zu studieren. Nach wenigen Wochen war aber klar, dass der Weinbau meine Zukunft werde würde. 2000 habe ich die Weinbauschule in Klosterneuburg abgeschlossen.
Nach einigen Praktika im Ausland (Frankreich, Italien, Chile) habe ich 2001 die Verantwortung für den Keller im elterlichen Weingut übernommen. Auch jetzt werde ich tatkräftig von meinen Eltern bzw. meinem Freund unterstützt.

starcookers: Wie verläuft ein ganz normaler Arbeitstag einer Winzerin?

Judith Beck: Den „ganz normalen“ Arbeitstag gibt es glücklicherweise nicht. Ich schätze sehr an meinem Beruf, dass es so abwechslungsreich zugeht - von der Arbeit in Weingarten und Keller bis hin zum Kundenkontakt.

starcookers: Gibt es Vorzüge anderer Weinbauregionen, die Sie sich auch wünschen würden?

Judith Beck: Das ist eine Frage, die ich mir einfach nicht stelle. Es ist für mich wichtig, dass meine Weine Spiegel unseres Gebietes sind, mit seinen ganz spezifischen Böden, Lagen und Mikroklimata.

starcookers: Welche Pläne hat Ihr Weingut in der nächsten Zeit?

Judith Beck: Seit 2007 befinden wir uns in Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise. Ein Projekt, das mir sehr viel Freude bereitet. Mein größtes Ziel im Moment ist es unsere Böden durch gezielten Humusaufbau wieder zu verbessern bzw. die Reben langfristig widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen um eine gute Basis auch für die kommenden Generationen zu schaffen.

starcookers: Haben Sie einen Lieblingswein?

Judith Beck: Das ändert sich je nach Lust, Laune und Anlass.

starcookers: Frau Beck, wir danken Ihnen für das Interview