Die Geschichte der Austernzüchtung

Austern galten schon von jeher als beliebtes Nahrungsmittel. Da diese Tiere in den Gezeitenzonen der Meere leben, war es für die Menschen einfach, sie bei Ebbe zu ernten. Die erste Austernkultivierung gab es bereits im antiken Griechenland. Dazu versenkte man Tonscherben im Meer, an denen sich die Austern bevorzugt festsetzten. Diese Art von Kultivierung wurde von den alten Römern weiterentwickelt und noch perfektioniert. Allerdings geriet dieses Verfahren mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches für lange Zeit in Vergessenheit. In der Zeit danach wurden lediglich wild lebende Austern eingesammelt und verkauft.
Ab 1700 wurden Austern in ganz Europa zur Delikatesse. Allerdings zeigten sich bereits wenige Jahrzehnte später die ersten negativen Folgen. Frankreichs Austernbänke waren fast leer gefischt und der Export kam dramatisch ins stocken. 1750 wurde über Jahre hinweg ein generelles Fangverbot für bestimmte Regionen erlassen. Die Austernbestände erholten sich zwar leicht, trotzdem blieben die Bestände weiterhin gefährdet. 1759 folgte eine zweites Fangverbot für die gesamten französischen Küstengebiete in den Monaten Mai bis Oktober. Im 19. Jahrhundert begann schließlich die Kultivierung der europäischen Felsenauster in Frankreich. Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Austernhandel seinen Höhepunkt erreichte, wurden die antiken Zuchtformen wiederentdeckt und weiterentwickelt.
In dieser Zeit ereignete sich eine Begebenheit, die auf den weiteren Verlauf der französischen Austernzucht maßgeblich Einfluss nehmen sollte. 1868 suchte ein Austernfrachter, der portugiesische Austern geladen hatte, während eines Sturms Schutz in einer Fluss-Mündung und blieb dort tagelang vor Anker. Da der Kapitän davon ausging, dass die Austern in der Zwischenezeit ungenießbar geworden wären, ließ er die Ladung vor der Küste Bordeaux ins Meer werfen. Die Tiere gedeihten an diesem Ort so hervorragend, dass sie bereits um 1900 den Großteil der französischen Austernpopulation ausmachten.
1918 wurde in Japan die Langleinenzucht entwickelt, wodurch die Züchter nun die Möglichkeit hatten, Austern außerhalb der Gezeitenzonen zu züchten. Die Methode fand sehr bald Anwendung auf der ganzen Welt, wodurch die Austernproduktion sprunghaft anstieg.
Zur Jahreswende 1962/63 erlebte Europa einen der kältesten Winter der Nachkriegszeit. Die Kälte forderte auch bei den empfindlichen Austern seinen Tribut. Viele der Zuchtaustern starben. Diejenigen Tiere, die diesen Winter überlebt hatten, wurden schließlich 1966 von einer Viruserkrankung heimgesucht. Eine zweite Epidemie wiederholte sich 1970. Sie läutete das Ende der in der Austernzucht weitverbreiteten Portugiesischen Felsenauster ein. Dasselbe Schicksal ereilte die Europäische Felsenauster. Sie ist mittlerweile so stark reduziert, dass sie für Zuchtzwecke bis heute fast nicht mehr verwendet wird.
Die Rettung für Austernliebhaber kam aus Japan. Die Japanische Felsenauster erwies sich als robust gegenüber verschiedenen Krankheiten. Sie wurde daraufhin aus Japan importiert und hierzulande kultiviert.(pk)

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