Apfel - Interview

© Bio-Obst Clostermann
Bio-Äpfel vom Niederrhein

Bei Bio-Obstbauer Rolf Clostermann geht’s rund. Auf seiner Plantage auf dem Neuhollandshof in Wesel am Niederrhein dreht sich alles um den Apfel. Derzeit stecken die Clostermanns mitten in der Ernte und freuen sich über viele tausend kerngesunde Äpfel. Der Neuhollandshof ist die einzige Bio-Apfel-Plantage am Niederrhein. Über 35.000 Apfelbäume stehen hier. Rund 30 verschiedene Apfelsorten werden angebaut. Alte und neue, heimische und auch Sorten, die aus fremden Ländern kommen. Seit 1993 haben sich die Clostermanns dem biologisch-dynamischen Obstanbau verschrieben. Somit ist sicher gestellt, dass Böden, Bäume und Früchte frei von Giftstoffen sind. Die Apfel-Köstlichkeiten sind ab Hof unter Tel. 02859/325 und über den Biofachhandel zu beziehen. Unter der angegebenen Telefon-Nummer gibt es auch Infos über Besuchs-Termine auf dem Neuhollandshof. Im starcookers-Interview informiert Rolf Clostermann rund um den Apfel.

starcookers: Wann ist ein Apfel pflückreif?

Rolf Clostermann: Ein Apfel ist pflückreif wenn, die Kerne braun sind, die Hintergrundfarbe der Frucht von grün ins gelbliche umschlägt und sich der Stiel gut vom Baum löst. Pflückreif ist immer etwas früher als voll essreif. Wenn man ihn etwas eher pflückt bevor er seine optimale Essreife erreicht hat, dann lagert er sich länger.

starcookers: Wie schmeckt ein Apfel am besten - direkt vom Baum oder nach einigen Tagen Nachreifen?

Rolf Clostermann: Frühe Apfelsorten sollte man sofort essen, da sie schon nach einigen Tagen mehlig werden. Herbst- und Lagersorten wie z.B. Cox, Elstar, Boskoop und Jonagold entfalten einige Tage nach dem Pflücken ihr optimales Aroma.

starcookers: Welche Bodenvoraussetzungen sind ideal für Äpfel?

Rolf Clostermann: Ein mittelschwerer Lehmboden wäre optimal. Wenn man gegen Trockenheit bewässsern kann, eignen sich auch leichtere, sandigere Böden.

starcookers: Zu was lassen sich Ihre Äpfel am besten verarbeiten?

Rolf Clostermann: Unsere Äpfel verarbeiten wir zu Apfelmark (Apfelmus ohne Zuckerzusatz), Apfelkraut (Brotaufstrich) Saft und Apfelsecco.

starcookers: Wie lagert man Äpfel optimal?

Rolf Clostermann: Die Lagerung im Kühlschrank bei einer Temperatur von 2°C+ oder in einem kühlen Keller eignet sich für die meisten Sorten. Eine hohe Luftfeuchte, z.B. durch einen angenässten Kellerboden (falls Steinboden, dann einen Eimer Wasser auskippen) verhindert das frühzeitige Schrumpeln der Früchte. Die Obstbauern lagern die Früchte in speziellen Kühlräumen, wo man zusätzlich auch noch den Sauerstoffgehalt reduzieren kann. Das führt dann zu noch geringerer Fruchtatmung und damit zur Verlängerung der Haltbarkeit.

starcookers: Weltweit gibt es unendlich viele Apfelsorten, in Europa werden jedoch nur einige wenige verkauft. Was sind die Gründe dafür? Gibt es Apfelsorten die vom Aussterben bedroht sind?

Rolf Clostermann: Die meisten Äpfel in Europa werden über Supermärkte verkauft. Diese wollen wenige Sorten und davon große Mengen. Das ist vom Handling in den Geschäften einfacher. Außerdem ist es sehr werbekostenintensiv, unbekannte Sorten bekannt zu machen. Da gilt vielleicht das alte Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.“

starcookers: Man spricht bei Äpfeln auch von „alten Sorten“. Was unterscheidet diese von anderen?

Rolf Clostermann: Die meisten alten Apfelsorten in Deutschland sind im 19. Jahrhundert entstanden, mit dem Aufkommen der intensiven Streuobstwirtschaft. Nur wenige davon, wie z.B. der Boskoop haben sich bis heute am Markt halten können. Oft treffen sie nicht mehr den modernen Verbrauchergeschmack oder sind den Anforderungen der Verbraucher und des Handels, wie z.B. der Forderung nach langer Haltbarkeit, nicht gewachsen. Moderne Sorten, wie z.B. Elstar, Jonagold und Braeburn, sind auf den aktuellen Verbrauchergeschmack hin gezüchtet worden und haben in der Endphase ihrer Züchtung zahlreiche Geschmackstests durchlaufen.

starcookers: One apple a day keeps the doctor away - lässt sich dieser Grundsatz rund ums Jahr mit heimischen Äpfeln verwirklichen?

Rolf Clostermann: Diese Frage lässt sich immer noch mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Die guten Vorbeuge-Eigenschaften der Äpfel im Hinblick auf Herzkrankheiten, Stabilisierung des Immunsystems durch Vitamine oder die gute Magenbekömmlichkeit sind seit vielen Jahren bekannt. Es gilt natürlich besonders der Vorsatz beim Kauf einen biologisch, oder besser noch, einen biologisch-dynamisch erzeugten Apfel zu bevorzugen.

starcookers: Gibt es Apfelsorten, die erst durch Lagerung genießbar werden?

Rolf Clostermann: Ein Boskoop oder auch ein Ontario, im Oktober gepflückt, schmecken erst um Weihnachten herum so richtig gut. Auch ein Cox sollte nach dem Pflücken erst einmal 14 Tage ins Lager bis er dann richtig gut schmeckt.

starcookers: In welcher Form genießen Sie Ihre Äpfel am liebsten?

Rolf Clostermann: Ich persönlich bevorzuge die unverarbeitete Frucht, oder die flüssige Variante unserer Clostermann-Apfelseccos.